Crowdfunding – die Rolle der institutionellen Investoren

28. Mai 2020

Nachdem in den ersten beiden Fachartikeln zu Crowdfunding die Risiken und Opportunitäten der neuen Anlageklasse erklärt wurden, illustrieren wir abschliessend die Rolle der institutionellen Anleger im Crowdfunding-Markt.

Institutionelle Anleger als Teil der «Crowd»

Wie im Fachartikel «Crowdfunding – Grundlagen» beschrieben, werden für den Begriff Crowdlending insbesondere im Ausland die Begriffe Peer-to-Peer (P2P) Lending und Marketplace Lending verwendet. Zentral hierbei ist die Vorstellung, dass die Crowd wesentlich aus vielen kleinen Anlegern besteht, die verhältnissmässig moderate Summen anlegen wollen – das Funktionieren des Crowdfundings ist also in hohem Mass abhängig vom Erreichen einer kritischen Masse von Anlegern, da ansonsten nicht ausreichend zu verteilendes Kapital vorhanden ist.

Tatsächlich sind jedoch insbesondere in angelsächsischen Märkten längst nicht mehr nur Privatanleger Teil der «Crowd», vielmehr beteiligen sich zunehmend auch institutionelle Anleger (vergleiche «The Global Alternative Finance Market Benchmarking Report» der University of Cambridge vom April 2020), die wesentlich höhere Summen anzulegen vermögen. Das Verständnis der Auswirkungen des Engagements institutioneller Anleger hat wichtige Implikationen für den breiteren Markt der Massenfinanzierung.

Abbildung 1: Beispielhafte Übersicht Crowdfunding (nicht abschliessend)

Crowdlending als Chance für alle Beteiligten

Das Engagement von institutionellen Anlegern in Crowdfunding bietet sowohl für diese selbst als auch für Kapitalsuchende sowie für die Crowdfunding-Plattformen interessante Chancen und Perspektiven:

1. Chancen für institutionelle Anleger

Institutionelle Anleger unterscheiden sich von Privatanlegern bezüglich Portfoliovolumen und Diversifikationsstrategie. Pensionskassen beispielsweise unterliegen zudem der Auflage, einen minimalen ROI (Return on Investment) zu erwirtschaften. Investitionen in Crowdlending und Crowdinvesting-Projekte als neue Anlageklasse eröffnen abseits der konventionellen Anlageinstrumente neue Chancen, diesen Anforderungen gerecht zu werden.

Crowdfunding-Plattformen bieten institutionellen Anlegern einen neuen Zugangskanal zur Finanzierung von kleinen Unternehmen, Privatkrediten oder auch Immobilienfinanzierungen. Die neue Anlageklasse bietet Diversifikationsmöglichkeiten mit ansehnlichen Renditen: Der Marktwert von börsenkotierten Grossunternehmen reagiert unterschiedlich auf Marktereignisse im Vergleich zum Marktwert von Anlagen, welche über Crowdfunding finanziert werden. So sind beispielsweise kleine Unternehmen mitunter weniger anfällig für weltwirtschaftliche konjunkturelle Schwankungen, während sie stärker auf regionale Entwicklungen reagieren. Die weitgehend unkorrelierten Wertentwicklungen der beiden Anlageklassen ermöglichen einen robusten risk-adjusted Return.

2. Chancen für Kapitalsuchende

Institutionelle Anleger verfügen im Vergleich zu Privatanleger über ein höheres Kapitalvolumen, welches sie investieren möchten. Dies hat die unmittelbare Auswirkung, dass Kapitalsuchende mit dem Einbezug institutioneller Anleger als Kapitalgebende ihr Fremd- und Eigenkapital durch weniger Parteien finanzieren können, wodurch sich der Aufwand des Stakeholdermanagements für die Kapitalsuchenden wesentlich reduziert. Höhere Finanzierungssummen können zudem durch ein höheres durchschnittliches Investment schneller finanziert werden und die Wahrscheinlichkeit der Erreichung des kritischen Schwellenwertes für eine Crowdfunding-Finanzierung steigt signifikant.

3. Chancen für Crowdfunding-Plattformen

Insbesondere Plattformen, welche Crowdlending und Crowdinvesting anbieten, profitieren stark von institutionellen Anlegern, da diese die Liquidität der Plattformen sicherstellen: Durch die Unterstützung institutioneller Anleger und deren Anlagevolumen können gesamthaft mehr Projekte finanziert werden, da die Kapitalnachfrage in einem grösseren Umfang befriedigt werden kann. Eine höhere Sicherheit zur Finanzierung des Kapitalbedarfs zieht automatisch mehr Kapitalsuchende an. Crowdfunding-Plattformen profitieren somit unter dem Strich durch den Einbezug von institutionellen Investoren von positiven Skaleneffekten. Dies ermöglicht den Plattformen die Lancierungen von neuen Produkten wie beispielsweise verbriefte Kredite, welche dem Bedürfnis der Diversifikation noch besser Rechnung tragen.

Herausforderungen und Chancen des Einbezugs institutioneller Anleger

Die Entwicklung des Crowdfunding-Markts wirft berechtigterweise die Frage auf, ob der Begriff «Crowd» dem Geschäftsmodell und dem Anspruch der Unabhängigkeit von einzelnen Investoren überhaupt noch gerecht werden kann, wenn ein Kredit nicht von mehreren Privatanlegern gestützt, sondern durch einen singulären institutionellen Anleger allein finanziert wird.

Unbestritten bleibt hingegen, dass durch den Einbezug institutioneller Anleger in den Crowdfunding-Markt (oder eben P2P bzw. Marketplace-Markt) grosse Wachstumschancen für alle drei Parteien entstehen.  

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