Crowdfunding – Grundlagen

30. Januar 2020

Auf der Suche nach neuen Ertragsquellen und Geschäftsmodellen wird für Banken unter anderem das Thema Crowdfunding relevant. Im Interview mit dem Leiter Crowdfunding der Luzerner Kantonalbank, Daniel Lütolf, erfahren Sie die wichtigsten Grundlagen des Crowdfunding und wie Banken durch Crowdfunding ihre Kundinnen und Kunden auf dem Weg zum Geschäftserfolg unterstützen können. 

Hintergrund

Das Prinzip des Crowdfunding wurde bereits von Beethoven und Mozart angewandt: Die Komponisten liessen Konzerte und Veröffentlichungen von Manuskripten durch viele einzelne Geldgebende vorfinanzieren. Als Gegenleistung kamen die Geldgebenden in den Genuss neuer musikalischer Meisterwerke. Dies ist ein erstes Beispiel für ein von Mehreren (der «Crowd») vorfinanziertes Vorhaben mit einer nicht-monetären Entschädigung. Das Vorgehen der beiden Komponisten entspricht dem heutigen Crowdfunding, allerdings mit dem entscheidenden Unterschied, dass die Abwicklung des Crowdfunding heute online erfolgt.

Terminologie

Um zu verstehen, was Crowdfunding genau beinhaltet, gilt es zuerst, die verschiedenen Begrifflichkeiten rund um das Thema zu ordnen und zu definieren.

Crowdfunding gehört neben Crowdwisdom, Crowdcreation und Crowdvoting zur Gruppe des Crowdsourcing. Mit Crowdsourcing ist gemeint, dass eine zentrale Aktivität (beispielsweise die Produktentwicklung) an die Crowd weitergegeben wird. Bei Crowdfunding ist dies die Kapitalvergabe.

Je nach Art des Kapitals und der entsprechenden Gegenleistung, welche die Kapitalgeberin erhält, kann der Begriff Crowdfunding weiter unterteilt werden.

Crowddonating

Wenn es sich um eine Spende handelt, also keine Gegenleistung für die Kapitalvergabe verlangt wird, so handelt es sich um Crowddonating.

Crowdsupporting

Die nächste Kategorie, Crowdsupporting, wird oft auch reward-based Crowdfunding genannt. Die Kapitalvergabe wird mit einer Gegenleistung verdankt, die sehr vielfältig sein kann, jedoch explizit nicht monetär ausfällt.

Crowdlending

Bei Crowdlending wird Kapital auf Fremdkapitalbasis vergeben und die Gegenleistung erfolgt in Form eines Darlehenszinses. Am Ende der Laufzeit erfolgt die Rückzahlung des ursprünglichen Darlehensbetrags. In anderen Ländern haben sich vor allem die Begriffe Peer-to-Peer (P2P) Lending und Marketplace Lending durchgesetzt.

Crowdinvesting

Im Gegensatz zu Crowdlending, basiert Crowdinvesting auf Eigenkapital. Für die Kapitalvergabe wird als Gegenleistung eine Beteiligung am Unternehmen geboten.

Einige Studien, unter anderem das Crowdfunding Monitoring des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ), zählen Invoice Trading ebenfalls zu Crowdfunding. Dies entspricht dem Prinzip des Factoring: Gegen eine Gebühr werden offene Forderungen eines Unternehmens an eine Drittpartei abgetreten. Im Gegenzug erhält das Unternehmen die ausstehenden Rechnungsbeträge bereits vor ablaufender Zahlungsfrist.

Marktumfeld Schweiz

In der Schweiz sind derzeit rund 40 Plattformen aktiv, die mindestens eine der vier Formen von Crowdfunding anbieten. Die Plattformen unterscheiden sich vor allem durch ihren Themenfokus (z.B. Sport, Kultur oder Umwelt).

Zu den grossen Crowddonating und -supporting-Plattformen gehören Kickstarter (USA), I believe in you oder Lokalhelden.ch der Raiffeisen (beide CH). Die älteste Schweizer Crowdfunding-Plattform, cashare, ist seit 2008 aktiv und bietet Privatdarlehen, KMU-Darlehen und Immobilienkredite. Doch auch Plattformen wie Lend und Swisspeers sind im Bereich Crowdlending aktiv.

Überdies gibt es einige Plattformen, die nicht nur eine, sondern gleich mehrere Formen des Crowdfunding abdecken: funders beispielsweise, die Plattform der Luzerner Kantonalbank (LUKB), bietet sowohl Crowdlending für KMUs, als auch Crowdsupporting an.

Kooperation Bank mit Crowdfunding-Plattform

Crowdfunding ermöglicht es Unternehmen, auf finanzielle Mittel für neue Ideen und Innovationen zugreifen zu können, ohne einen mehrjährigen Leistungsausweis (z.B. in Form einer Bilanz und Erfolgsrechnung) vorlegen zu müssen.

Crowdfunding ist somit als ein ergänzendes Angebot zu verstehen, welches es Banken ermöglicht, die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden bereits sehr früh und somit über den gesamten Lebenszyklus ihres Unternehmens zu befriedigen. Es schliesst damit die heutige Lücke zwischen Unternehmensgründung und ersten Erfolgsjahren. Mit Crowdfunding kann der Grundstein für eine erfolgreiche Geschäftsbeziehung von Kundin und Bank entstehen, da eine Bank das Vorhaben vom ersten Tag an begleitet. Überdies eröffnet Crowdfunding der Bank die Chance, eine enge Kundenbindung aufzubauen und mehr über ihre Kunden zu erfahren («Know your Customer»).

Kontakt

Welche Hürden eine Crowdfunding-Plattform überwinden muss und wie die APP Unternehmensberatung AG dabei unterstützt, diese erfolgreich zu meistern, erfahren Sie im März im zweiten Fachartikel zu Crowdfunding.

Möchten Sie mehr über das Thema Crowdfunding bei Banken erfahren oder wissen, wie die APP Sie konkret bei einem herausfordernden Vorhaben unterstützen kann? Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme.

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