Gesund Digitalisieren – Veränderung der bewussten Schritte

16. September 2021

Dass technologische Innovationen im Gesundheitsmarkt Mehrwert schaffen können, ist unbestritten. Zu oft werden digitale Lösungen jedoch missbräuchlich als Allerheilsmittel verstanden. Die Digitalisierung an sich ist ein leerer Begriff, der sich inhaltlich erst mit dem Kontext einer Organisation füllen lässt. Der digitalen Transformation liegt ehrliche und ausdauernde Grundlagenarbeit zugrunde, die der oft formulierten Digitalisierung im Gesundheitswesen erst einen Wert gibt. Diese geschieht nicht im Markt als gesamtes, sondern bei jeder einzelnen Organisation und ist die Summe jedes einzelnen Projektes.

Bei der Realisierung der digitalen Chancen lohnt es sich, auf brancheninterne und -externe Erfahrungswerte zurückzugreifen. In diversen Vorhaben werden regelmässig dieselben Verbesserungspotenziale beobachtet. Daraus lassen sich für Digitalisierungsprojekte im Gesundheitswesen diverse Erfolgsfaktoren ableiten, die praktischen Nutzen stiften und wovon zwei nachfolgend skizziert werden.

Fachbereiche müssen in Projekte einbezogen werden, was auf dem Papier in der Regel berücksichtigt wird. Gerade bei gemeinsamen Vorhaben mit Leistungserbringern fällt aber auf, dass oft nur reduziertes Wissen zu spezifischen Bedürfnissen, Abläufen und Zusammenarbeit einfliesst. Der fachliche Einbezug erfolgt oftmals über Mitarbeitende, welche weder das nötige Methodikwissen noch genügend Ressourcen mitbringen. Nur selten werden dedizierte Business Analysten mit hohem IT- und spezifischen Organisationsverständnis im Fachbereich eingesetzt und mit den benötigten Werkzeugen ausgestattet. Vielmehr bringen sich z. B. Pflegefachpersonen neben dem Tagesgeschäft auch noch in Projekten ein. Für die Anforderungsqualität, Systemwirksamkeit und Akzeptanz ist jedoch eine starke Business Analyse  im Fachbereich elementar. Die Anwenderinteressen müssen entlang des gesamten Digitalisierungsprojektes besser vertreten und durchgesetzt werden.

Wurde ein System erfolgreich beschafft, kann regelmässig beobachtet werden, dass dieses in der Umsetzung zu stark an bestehenden Abläufen ausgerichtet wird. Statt neue Potenziale auszuschöpfen, werden Systeme häufig stark angepasst und «verbogen». Indem die bisherigen Abläufe und Gewohnheiten abgebildet werden, kann die digitale Lösung den interdisziplinären Ansprüchen nicht gerecht werden. Richtigerweise geben die medizinischen Prozesse den Spielraum vor. Durch digitale Systemmöglichkeiten sind jedoch gerade in der Zusammenarbeit und Qualitätssicherung verbesserte Arbeitsformen möglich. Die Erfahrung bei der Einführung neuer Systeme zeigt: Der Spielraum ist oftmals grösser als angenommen. Er wird jedoch zu oft nicht genutzt, Prozessanpassungen werden zu schnell kompromisslos weggewischt. Aufgrund der vielen Partikularinteressen ist eine bewusste Begleitung der Mitarbeitenden elementar, insbesondere über die Einführung im Projekt hinaus. 

Das Schweizer Gesundheitswesen ist ein komplexes, für technischen Fortschritt träges System. Entsprechend herausfordernd ist auch die Digitalisierung. Und doch gibt es viele positive Beispiele einzelner Akteure, die ihre Digitalisierungsprojekte erfolgreich vorantreiben. Werden diese Vorhaben im Einzelnen erfolgreich geführt, sind technologische Innovationen und somit eine digitale Transformation im Gesundheitswesen möglich und sinnvoll. Daraus abgeleitete Erfahrungswerte und Erfolgsfaktoren ermöglichen eine gesunde Digitalisierung.

Dieser Fachartikel erscheint in leicht angepasster Form ebenfalls in der Ausgabe 09.2021 der Fachzeitschrift «IT for Health».

Lernen Sie weitere Erfolgsfaktoren und deren Nutzen kennen: https://app.ch/it4health

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