Roadmap Zahlungsverkehr – wohin die Reise geht

04. November 2020

Der Zahlungsverkehr (ZV) befindet sich im Wandel und die Veränderungen reichen dabei über die Landesgrenzen hinaus. Es gibt drei Haupttreiber, welche diese Entwicklung massgeblich beeinflussen:

Im Folgenden werden die Haupttreiber näher beleuchtet und auf die kommenden Herausforderungen für die Finanzinstitute in der Schweiz eingegangen.

Regulatorien und Standardisierungsvorhaben

Die Umstellung auf den ISO20022-Standard im Schweizer Zahlungsverkehr sowie die Einführung der neuen QR-Rechnung sind zwar auf Seite der Finanzinstitute bereits weit fortgeschritten, die nächsten Herausforderungen stehen aber bereits vor der Tür:

Begleitung der Firmenkunden bei der Umstellung auf die QR-Rechnung

Die Einführung der neuen QR-Rechnung ist auf Seite der Finanzinstitute seit dem 01. Juli 2020 vollzogen. Nun sind die Finanzinstitute gefordert, ihre Firmenkunden von den Vorteilen zu überzeugen und bei der Umstellung bestmöglich zu begleiten.

Update auf neue ISO20022-Version «2019»

Aktuell verwendet der Schweizer Finanzplatz noch eine ältere Version des Standards aus dem Jahre 2009. Aus Kompatibilitätsgründen wird ein Update auf die 2019er-Version voraussichtlich im Jahr 2022 stattfinden, da auch diverse internationale ZV-Systeme auf diese Version wechseln. Nebst SIX und den Finanzinstituten sind in diesem Zusammenhang natürlich auch Hersteller von ZV-Softwares gefordert.

Umstellung des internationalen Zahlungsverkehrs auf ISO20022

Die wichtigsten internationalen ZV-Systeme haben oder werden in den nächsten Jahren auf den ISO20022-Standard wechseln. SWIFT beispielsweise will bis 2025 komplett von den proprietären MT-Formaten auf ISO20022 wechseln. Auch im Rahmen des grenzüberschreitenden Zahlungsverkehrs werden die Schweizer Finanzinstitute also gefordert sein, die notwendigen Anpassungen vorzunehmen.

Insbesondere die internationalen Standardisierungsbestrebungen werden in den kommenden Jahren einen wichtigen Einfluss auf den Handlungsbedarf der Schweizer Finanzinstitute haben. Es wird sich zum Beispiel zeigen, per wann ein allfälliges Obligatorium für die Verwendung von strukturierten Adressen im Zahlungsverkehr für die Schweiz kommen wird. Mit grosser Wahrscheinlichkeit wird sich der Schweizer Finanzplatz dem Fahrplan und den Anforderungen von SWIFT anschliessen.

Auch wenn noch einiges zu tun ist, wird man in Zukunft durch die Standardisierung im Zahlungsverkehr von einer erhöhten Kosten- und Prozesseffizienz profitieren und auch regulatorische Vorgaben besser abdecken können. Mit der Modernisierung der ZV-Infrastruktur wird zudem der Grundstein für Echtzeit-Überweisungen gelegt, womit auch für die Endkunden ein Mehrwert generiert werden kann.

Technologische Trends

Die Digitalisierung sowie technologische Innovationen führen zu einem starken Wandel des traditionellen Zahlungsverkehrs. Es ergeben sich zahlreiche neue Möglichkeiten zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs, beispielsweise in Form der erwähnten Echtzeit-Überweisungen. Nachfolgend soll auf wichtige technologische Trends eingegangen werden, welche in der jüngsten Zeit in der Schweiz an Bedeutung gewonnen haben:

Open Banking und digitale Ökosysteme

Unter Open Banking versteht man im Kern die Öffnung der Banken gegenüber Drittanbietern, indem für spezifische Anwendungen über eine API-Schnittstelle auf ein Teil der Kundendaten (z. B. Kontoinformationen) Zugriff gewährt wird. In der Schweiz existieren zwar keine verbindlichen Regulatorien wie in der EU mit PSD2, trotzdem ist das Thema mittlerweile bei den Finanzinstituten omnipräsent. Es gibt hierzulande verschiedene Initiativen, welche sich mit der Standardisierung von solchen APIs beschäftigen und auch die SIX bietet mit b.Link eine entsprechende Open-Banking-Plattform.

Mit der Öffnung gegenüber Drittanbietern gewinnt auch das Konzept der digitalen Ökosysteme an Bedeutung. Bezogen auf ihre ZV-Dienstleistungen müssen sich die Finanzinstitute strategisch positionieren und überlegen, inwiefern sie diese als Teil eines Ökosystems mit ausgewählten Kooperationspartnern anbieten möchten.

Digitale Zahlmittel

Unter anderem getrieben durch die COVID-19-Pandemie, wächst das Kundenbedürfnis nach kontaktlosen und mobilen Zahlungsmethoden, die möglichst benutzerfreundlich und zu gleich sicher sind. Die Kontaktlos-Funktion bei der Debitkarte ist beispielsweise kaum mehr wegzudenken und mit der neuen Generation der Debitkarten ist mittlerweile das Bezahlen im Onlinehandel möglich. Finanzinstitute sind gefordert, dieser Entwicklung Rechnung zu tragen und mittels innovativer Technologien alternative Zahlungsarten und -kanäle anzubieten.

Nebst den aktuellen technologischen Trends gilt es auch, neue Trends auf dem Radar zu behalten und zu beurteilen, inwiefern sich diese langfristig durchsetzen werden. Blockchain- bzw. Distributed-Ledger-Technologien gewinnen beispielsweise an Praxisrelevanz und besitzen das Potenzial, den Zahlungsverkehr in Zukunft substanziell zu verändern.

Marktkonkurrenz

Ein weiterer Einflussfaktor, welcher die traditionellen Finanzinstitute zum Handeln bewegt, sind neue Player im Schweizer Zahlungsverkehr, die mit unterschiedlichen Voraussetzungen in den Markt eintreten:

Bigtechs

Globale Technologieunternehmen wie Google, Apple, Facebook oder auch Alibaba bieten über ihre Plattformen eine Vielzahl an Services an. Dank ihrer breiten Kundenbasis profitieren sie von Netzwerkeffekten, welche helfen, neue Services unter anderem auch im Zahlungsverkehr zu etablieren. Facebook will mit dem Libra-Projekt sogar ein geschlossenes Zahlungssystem mit eigener Währung aufbauen, das ohne die traditionellen Zahlungsinstrumente auskommt.

Digitalbanken

Digitalbanken wie Revolut, N26 oder Neon sind meist junge Fintechs oder Start-ups. Sie grenzen sich von traditionellen Finanzinstituten dadurch ab, dass sie alle ihre Prozesse digital ausrichten und ihre Angebote in der Regel via Smartphone bereitstellen. Dank schlanker Strukturen und Prozesse ohne Altlasten sind die Digitalbanken meist in der Lage, innovative Angebote mit attraktiven Preisen und Gebühren zu offerieren.

Spezialisierte Fintechs

Spezialisierte Fintechs, die dedizierte Services anbieten, sind unter anderem aufgrund der kleineren Grösse nicht zwingend direkte Konkurrenz der Finanzinstitute. Je nach Geschäftsmodell und Strategie des Finanzinstituts handelt es sich bei solchen Fintechs eher um Partner mit Synergiepotential, welche das bestehende Angebot ergänzen können.

Es bleibt auf jeden Fall spannend, wie sich die verschiedenen Player in Zukunft im Markt etablieren werden. Für die Endkunden bedeutet der zunehmende Wettbewerb aber wahrscheinlich, dass sie in Zukunft von noch attraktiveren und kundenfreundlicheren Angeboten profitieren können.

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Lesen Sie mehr zum Thema:

Fachartikel «Open Banking in der Schweiz: Bedrohung oder Opportunität?» vom 26. November 2019

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