Erfolgsfaktoren von Smart City Vorhaben

18. April 2019

Smart City

Alles wird smart in Städten und Gemeinden. Unter anderem, um Ressourcen zu schonen, Rahmenbedingungen für eine florierende lokale Wirtschaft zu schaffen sowie die Lebensqualität der Bewohnenden zu verbessern. Für diese Bestrebungen ist der Begriff Smart City entstanden.

Die bisher gemachten Erfahrungen in Städten und Gemeinden im In- und Ausland zeigen, dass unter diesem Schlagwort oft technologiegetriebene und primär effizienzsteigernde Vorhaben verfolgt werden, welche die Bedürfnisse der Bewohnenden nur ungenügend berücksichtigen. Zudem begeben sich Städte und Gemeinden in vielen Fällen in die Abhängigkeit «hauseigener», nicht-kompatibler Lösungen ihrer Lieferanten und werden so in nicht-nachhaltige Geschäftsmodelle verwickelt.

Thomas Strösslin zeigt im Kurzinterview am Beispiel von Bikesharing-Angeboten auf, welche Erfolgsfaktoren ein nachhaltiges Smart City-Vorhaben ausmachen.

Interview

Thomas, du hast unter anderem die Erfolgsfaktoren für nachhaltige Bikesharing-Angebote in der Schweiz analysiert. Inwiefern handelt es sich bei einem Bikesharing-Angebot um ein Smart City-Vorhaben?

Ein clever konzipiertes und umgesetztes Bikesharing-Angebot ermöglicht eine effiziente Nutzung von knappen, öffentlichen Ressourcen, wie z.B. urbanem Raum oder Steuergeldern. Eine Integration in andere Transportsysteme, wie z.B. dem öffentlichen Verkehr oder Carsharing, fördert eine nachhaltige Mobilität durch die Kombination verschiedener Verkehrsträger. Diese kann wiederum einen Beitrag zur Verkehrsreduktion leisten. Der Einsatz moderner, «smarter» Technologien erleichtert die Umsetzung und erhöht die Benutzbarkeit.

Ich würde aber nicht jedes Bikesharing-Angebot per se als Smart City-Vorhaben bezeichnen. Entscheidend sind die Beteiligung der öffentlichen Hand, der Einbezug der Nutzenden sowie eine Einbettung in andere öffentliche oder private Aktivitäten.

Wie sollen sich die verschiedenen Anspruchsgruppen in die Schaffung eines Bikesharing-Angebots einbringen können?

Am Anfang stehen natürlich die Nutzenden (z.B. Bewohner/innen, Pendler/innen, Touristen/Touristinnen), welche ihre Bedürfnisse einbringen wollen. Deren Anforderungen sollten breit abgeholt werden, damit verschiedene Facetten der Thematik ans Licht gelangen. Insbesondere nicht-funktionale Anforderungen, wie Qualität, Benutzbarkeit, Preis und Ortsbild, sind entscheidend für die spätere Akzeptanz des Angebots. Auch Nicht-Nutzende wie Autofahrende müssen sich einbringen können, damit eine Abwägung der Interessen vorgenommen werden kann.

Die lokale Wirtschaft hat ein Interesse an der Mitgestaltung der Rahmenbedingungen für die Umsetzung und den Betrieb. Diese sollen nicht einfach vorgegeben, sondern gemeinsam ausgestaltet werden. Dazu gehören unter anderem Themen wie Werbemöglichkeiten, mögliche Geschäftsmodelle, Partnerschaften und der Beitrag
der öffentlichen Hand.

Die Verwaltung sollte ihre Interessen als Gesamtheit geltend machen. Der Einbezug verschiedener Ämter erhöht die Chancen einer erfolgreichen Umsetzung. Da mit Raum und Ortsbild öffentliches Gut betroffen ist, liegt die Abwägung von öffentlichen und privaten Interessen in der Verantwortung der öffentlichen Hand.

Was trägt ein Bikesharing-Angebot zur Nachhaltigkeit in einer Stadt oder Gemeinde bei?

In meiner Studie zur Nachhaltigkeit von Bikesharing-Angeboten (1) komme ich zum Schluss, dass vor allem in der sozialen Dimension ein positiver Effekt entsteht. Wenn das Angebot als Teil des öffentlichen Verkehrs angeschaut wird, wird ein zusätzliches, günstiges und gesundheitsförderndes Angebot für die Allgemeinheit zugänglich.

Die wirtschaftliche Nachhaltigkeit hängt sehr stark von der Ausgestaltung ab. In der Schweiz beurteile ich sie als ungenügend. Ein Trend zur Monopolisierung ist erkennbar und die Kostentransparenz nicht gegeben. Positiv ist hingegen, dass eine lokale Wertschöpfung generiert wird.

Für die Umwelt bewirkt Bikesharing einen positiven Effekt. Dieser ist jedoch vernachlässigbar klein im Vergleich zu anderen Fördermassnahmen für Velos.

Hast du Handlungsempfehlungen, welche Städte und Gemeinden bei der Umsetzung ihres Bikesharing-Angebots beachten sollten?

Entscheidend ist die Definition und Durchsetzung von Standards, denn nur so können Lieferantenabhängigkeit vermieden und miteinander kompatible Lösungen gefunden werden. Mit geeigneten Rahmenbedingungen bezüglich Raumnutzung, Preis- und Geschäftsmodell kann eine nachhaltige Umsetzung gewährleistet werden.

Smart Cities betrachten Bikesharing als integralen Teil des öffentlichen Verkehrs und leisten einen angemessenen Beitrag für dessen Umsetzung und Betrieb. Wenn diese Sicht eingenommen wird, ist für den Erfolg sowohl heute als auch morgen gesorgt.

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Quellen

(1) Strösslin, T. (2017). Erfolgsfaktoren für nachhaltige Bike-Sharing Angebote in der Schweiz. Universität Bern

  • Kategorie
    Fachbeiträge

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