Erfolgsfaktoren für eine gesunde Digitalisierung im Gesundheitswesen

Es ist anzuerkennen, dass die technologischen Möglichkeiten nach oben offen sind und zukünftig Mehrwert schaffen können. Für medizinische Leistungserbringer bedeutet dies, dass Digitalisierungsprojekte intensive, ehrliche und ausdauernde Grundlagenarbeit bedingen.

Diese den Innovationen zugrunde liegenden Bestrebungen sind in der Regel weniger attraktiv als über technologische Hypes zu sprechen, geben der oft formulierten Digitalisierung im Gesundheitswesen jedoch erst einen Wert.

Dies geschieht nicht im Markt als Gesamtes, sondern bei jeder einzelnen Organisation und ist die Summe jedes einzelnen Projektes.

Im Fachartikel der Ausgabe 09.2021 der Fachzeitschrift «IT for Health»  haben wir zwei elementare Erfolgsfaktoren für Digitalisierungsvorhaben im Gesundheitswesen aufgezeigt. Die nachfolgende Übersicht ergänzt diese, ist selbstredend aber nicht abschliessend zu verstehen.

Wir haben uns auf fünf kritische Faktoren beschränkt, die echten Mehrwert schaffen können, inklusive unserer Einschätzung zur benötigten Investition und zum einhergehenden Wirkungsgrad sowie möglichen Umsetzungsvorschlägen.

In über vierzig Jahren Projekterfahrungen wurden und werden regelmässig dieselben Verbesserungspotenziale beobachtet. Wichtig bei pauschalisierenden Aussagen ist, wie sie auch nachfolgend bis zu einem gewissen Grad geschieht, dass der Organisationkontext berücksichtigt wird. Dies gilt insbesondere bei Digitalisierungsprojekten im Health Bereich, der sehr spezifisch ist.

 

Foto Fabrice Tschudi
Fabrice Tschudi
MSc in Business Administration, Spezialisierung in Wirtschaftsinformatik Consultant +41 58 320 30 37hc/ppa//iduhcst/ecirbaf
Bild von Patrick Vestner
Patrick Vestner
MSc in Organisational Behaviour Consultant, Themenverantwortlicher Health +41 58 320 34 12hc/ppa//rentsev/kcirtap

Fünf Erfolgsfaktoren für eine gesunde Digitalisierung

Erfolgsfaktor 1: Starke Business Analyse (BA) in den Fachbereichen

Sie wollen Ihren Fachbereich fit für starke Business Analyse machen? Mögliche Ansätze aus der Praxis:

Fachbereiche müssen in Projekte einbezogen werden, was auf dem Papier in der Regel berücksichtigt wird. Gerade bei gemeinsamen Vorhaben mit Leistungserbringern fällt aber auf, dass oft nur reduziertes Wissen zu spezifischen Bedürfnissen, Abläufen und Zusammenarbeit einfliesst.

Der fachliche Einbezug erfolgt über Mitarbeitende, welche weder das nötige Methodikwissen noch genügend Ressourcen mitbringen. Nur selten werden dedizierte Business Analysten mit hohem IT- und spezifischen Organisationsverständnis im Fachbereich eingesetzt und mit den benötigten Werkzeugen ausgestattet.

Vielmehr bringen sich zum Beispiel Pflegefachpersonen neben dem Tagesgeschäft auch noch in Projekte ein. Für die Anforderungsqualität, Systemwirksamkeit und Akzeptanz ist jedoch eine starke Business Analyse im Fachbereich elementar. Die Anwenderinteressen müssen entlang des gesamten Digitalisierungsprojektes besser vertreten und durchgesetzt werden.

 

 

Erfolgsfaktor 2: Optimierte Abläufe folgen dem System

Sie wollen optimierte statt «verdigitalisierte» physische Abläufe? Mögliche Ansätze aus der Praxis:

Wurde ein System erfolgreich beschafft, kann regelmässig beobachtet werden, dass dieses in der Umsetzung zu stark an bestehenden Abläufen ausgerichtet wird. Statt neue Potenziale auszuschöpfen, werden Systeme häufig stark angepasst und «verbogen».

Indem die bisherigen Abläufe und Gewohnheiten abgebildet werden, kann die digitale Lösung den interdisziplinären Ansprüchen nicht gerecht werden. Richtigerweise geben die medizinischen Prozesse den Spielraum vor. Durch digitale Systemmöglichkeiten sind jedoch gerade in der Zusammenarbeit und Qualitätssicherung verbesserte Arbeitsformen möglich.

Die Erfahrung bei der Einführung neuer Systeme zeigt: Der Spielraum ist oftmals grösser als angenommen. Er wird jedoch zu oft nicht genutzt, Prozessanpassungen werden zu schnell kompromisslos weggewischt. Aufgrund der vielen Partikularinteressen ist eine bewusste Begleitung der Mitarbeitenden elementar, insbesondere über die Einführung im Projekt hinaus.

 

Erfolgsfaktor 3: Daten über ihren Primärzweck hinaus nutzen

Sie wollen Ihre Abläufe durch intelligente Nutzung vorhandener Daten verschlanken? Mögliche Ansätze aus der Praxis:

Bekanntlich werden im Gesundheitsmarkt weniger als 1 % der Daten mehrfach, sprich über ihren Primärzweck hinaus genutzt. Teilweise ist dies aus medizinischen Gründen nachvollziehbar, jedoch oftmals auch der Tatsache geschuldet, dass noch immer sehr stark in Silos gedacht wird. Die fachliche, nicht technische, Perspektive auf die zu verwendenden Daten über Abteilungs- oder Organisationsgrenzen hinweg wird oftmals nicht oder zu spät berücksichtigt.

Auch wird in der Regel nicht die gesamte Patientenjourney, oder mindestens vor- und nachgelagerte Prozessschritte, betrachtet. So werden Medienbrüche entlang des gesamten für die Patienten relevanten Prozesses nicht reduziert und schlimmstenfalls noch verstärkt. Es kann regelmässig beobachtet werden, dass im Prozess dieselben Daten mehrfach aufgenommen werden. Selbst in medizinisch hochstandardisierten Krankheitsbildern.

Integrierte Systeme und vernetzte Lösungen, welche die Interoperabilität durch etablierte Austauschstandards fördern, müssen frühzeitig angedacht und konsequent verfolgt werden. Ziehen Sie, neben Ihren bisher aufgenommenen Daten, auch Ihre (noch) nicht aufgenommenen Daten und die Daten der nachgelagerten Prozessschritte in Betracht.

Erfolgsfaktor 4: Klare Strategie, breit abgestützt und integriert

Sie wollen digitale Trends nutzen und sich mittelfristig als Gesamtorganisation digital ausrichten? Mögliche Ansätze aus der Praxis:

  • Erarbeiten Sie keine dedizierte Digitalisierungsstrategie für Ihre Organisation, sondern integrieren Sie strategische Überlegungen zur digitalen Transformation in Ihre Gesamtstrategie an den wirkungsvollsten Stellen.

  • Bauen Sie in der Schnittstelle zwischen Digitalisierung und Ihrem Grundauftrag strategische Allianzen auf, die Sie beidseitig weiterbringen. Lesen Sie dazu, wie zum Beispiel Heime erfolgreich kollaborieren.

  • Verankern Sie in Ihrer Organisation Hilfsmittel wie einen Trendradar sowie fundiertes Wissen auf operativer Ebene, wie aus Hypes rund um technologische Trends effektiver Wert geschaffen werden kann. Lesen Sie dazu, wie von Trends im Gesundheitswesen profitiert werden kann.

Damit die Summe aller digitalen Projekte sowie der beteiligten Menschen der digitalen Transformation gesamthaft einen Wert geben können, ist eine gemeinsame Ausrichtung elementar. Zentral ist dabei, dass der strategische Prozess von der obersten Führung vorgelebt wird und auf allen Stufen eine «enge Verbindung» zwischen dem betriebswirtschaftlich orientierten Management und der auf Medizin bzw. Gesundheit fokussierten Basis besteht. Ansonsten funktionieren zwar die fachlichen Subsysteme zur Erbringung der Grundleistungen, jedoch lässt sich eine strategische Steuerung nicht umsetzen und ist somit wertlos. 

Oft kann dabei beobachtet werden, dass eine Digitalstrategie zwar breit abgestützt erarbeitet wird, jedoch allein in einem umfassenden Dschungel an Konzepten und Strategie dasteht, losgelöst und wenig wirkungsvoll. Die meisten Organisationen verfolgen eine IT-getriebene Digitalisierung und erliegen dabei einerseits den Hypes rund um Technologien und andererseits möchte das Management somit eine, aus unserer Sicht, unnötige Daseinsberechtigung herstellen. Ziel der Digitalisierung soll nicht sein, den digitalen Reifegrad des eigenen Unternehmens zu erhöhen, sondern die Organisation langfristig erfolgreicher zu machen.

Vielmehr sollten die digitalen Bemühungen an den richtigen Anknüpfungspunkten der allgemeinen, fachlich getriebenen Strategie anschliessen. Denn die Digitalisierung ist lediglich Mittel zum Zweck und hat die Kernkompetenzen zu unterstützen, nicht ergänzen. Eine wirkungsvolle digitale Entwicklung hat einen engen Link zwischen Fach und IT, strategisch, operativ und in der Zusammenarbeit. Sowohl innerhalb der Organisation als auch mit externen Partnern in sinnvollen Kollaborationen und Netzwerken.

 

Erfolgsfaktor 5: Bessere statt mehr Projektarbeit

Sie wollen digitale Vorhaben nicht nur planen, sondern auch erfolgreich, sprich nachhaltig umsetzen? Mögliche Ansätze aus der Praxis:

Um die strategische Ausrichtung zu operationalisieren, ist ein klar abgesteckter Rahmen notwendig, z. B. mit einem Digitalisierungsprogramm. Dies dient in erster Linie dazu, dass eine klare Priorisierung stattfindet. Denn zu oft wird ersichtlich, dass alles digitalisiert werden soll und zu viele Projekte einerseits «angerissen» und andererseits zu wenig abgestimmt vorangetrieben werden. Mit einer Roadmap können die Abhängigkeiten von einzelnen Vorhaben aufgezeigt sowie kommuniziert und entsprechende Massnahmen getroffen werden.

Die digitale Vision darf herausfordernd sein, jedoch ist zu verhindern, dass zu viele Projekte versanden oder nicht die gewünschten Effekte erzielen. Es kann in grossen Projekten und Programmen regelmässig beobachtet werden, dass die Glaubwürdigkeit und somit die Grundessenz für das Vertrauen der Fachbereich in die digitale Entwicklung stark darunter leidet.

Bewusste Schritte der Digitalisierung bedingen auch unpopuläre Entscheidungen, was umgesetzt werden soll und was nicht. Der Einsatz der richtigen Technologien und Lösungen erfordert eine klare Grundlage, anhand derer eine Beurteilung, Selektion und Priorisierung stattfinden kann. Dabei helfen klare Qualitätsvorgaben sowie agile, iterative Vorgehensweisen. Schlussendlich wird insbesondere aber auch Mut benötigt, klare Entscheide zu fällen, z. B. um ein Projekt abzubrechen, wenn die Qualität zu tief oder die Risiken zu hoch sind.

Gesund Digitalisieren

Gesund Digitalisieren bedeutet, die heute und morgen verfügbaren technischen Möglichkeiten zu nutzen, um die eigenen Kernkompetenzen sinnvoll zu unterstützen. Eingesetzte oder noch einzuführende Lösungen müssen im Arbeitsalltag Sinn stiften und dem Fach- sowie Supportpersonal als Mittel zum Zweck dienen. Dabei sollen Qualität, Sicherheit und Gesamtleistung gegenüber den Patientinnen gesteigert werden können.

Setzen Sie digitale Vorhaben jetzt um!

Möchten Sie als Akteur des Schweizer Gesundheitswesens mehr zu Erfolgsfaktoren und digitalen Innovationen erfahren oder wissen, wie die APP Sie konkret in Ihrem Transformationsvorhaben unterstützen kann?

Zögern Sie nicht uns per Telefon unter 058 320 30 00, per E-Mail unter office@app.ch oder mittels des untenstehenden Formulars zu kontaktieren. Unsere Expertinnen und Experten freuen sich auf Ihre Anfrage.

Kontaktieren Sie uns