Ein agiles Umfeld fordert ein agiles Architekturmanagement

04.06.2019

Mit der Digitalisierung nimmt die Informatik eine immer zentralere Rolle ein und ist in zahlreichen Organisationen bereits heute eine strategische Erfolgsposition. Im Zuge dessen kommen auch immer mehr Systeme zum Einsatz, wodurch die Komplexität der Strukturen steigt und die Gesamtsteuerung erschwert wird. Nicht selten ist dabei das Zusammenspiel der IT und der Unternehmensprozesse nur teilweise oder gar nicht dokumentiert, wodurch Synergiepotential nicht erkannt wird und Ineffizienzen unvermeidbar werden.

Die Abstimmung zwischen der Strategie und der IT sowie die Schaffung von Transparenz innerhalb der Strukturen, Prozesse und Systeme wird so zu einem kritischen Faktor zur effektiven Gesamtsteuerung von Organisationen. Adressiert wird ein solches Unterfangen durch den Aufbau und durch transparente Dokumentation von Unternehmensarchitekturen. Unternehmensarchitekturen beschreiben die ganzheitliche Sicht auf die Geschäfts- und IT-Strukturen, wobei Unternehmensarchitekturen das Zusammenspiel der drei Sichten Geschäftsarchitektur, Informationssystemarchitektur und Technologiearchitektur illustrieren. 

Zur Einführung und Steuerung von Unternehmensarchitekturen können verschiedene etablierte Rahmenwerke eingesetzt werden. Einer der bekanntesten Ansätze ist TOGAF der Open Group. Dieser basiert auf einer standardisierten Methode, welche dem Aufbau und der kontinuierlichen Weiterentwicklung von Unternehmensarchitekturen dient. Zwar bietet TOGAF einen umfassenden Ansatz zum Management von Unternehmensarchitekturen, jedoch kann der Architekturprozess je nach Ausgestaltung schwerfällig und damit sehr zeitintensiv werden. Der Faktor Zeit ist im Rahmen der Architekturarbeit insofern kritisch, als dass Unternehmensarchitekturen permanenten Veränderungen unterliegen und somit laufend Anpassungen fordern. Dieser Herausforderung kann mit dem Einsatz von agilen Praktiken entgegengewirkt werden. 

Agile Praktiken beschreiben den Einsatz von Agilität in grossen und komplexen Vorhaben. Ursprünglich aus der Software-Entwicklung stammend, finden agile Praktiken zunehmen auch im Projektmanagement und in der Unternehmensarchitektur Anwendung. Ausgehend vom agilen Manifest [Schwaber & Sutherland, 2011] gelten für agile Praktiken folgende Kernwerte: 

  • Menschen und Interaktion stehen über Prozessen und Werkzeugen
  • Effektive Strukturen stehen über umfassender Dokumentation
  • Zusammenarbeit mit Kunden steht über Vertragsverhandlungen
  • Reagieren auf Veränderungen steht über dem Befolgen eines Plans

Einer der bekanntesten agilen Vorgehensmethoden ist Scrum. Scrum beschreibt ein adaptives Vorgehensmodell, in welchem Ergebnisse nicht phasenorientiert, sondern inkrementell und iterativ erarbeitet werden. Hierdurch lassen sich schnell erste vorzeigbare Ergebnisse erarbeiten, welche getestet und entsprechend weiterentwickelt werden können. Neue Anforderungen und veränderte Rahmenbedingungen können damit laufend in die Ergebniserarbeitung integriert werden. 

Die Ansätze von Scrum können auch im Architekturmanagement Anwendung finden. Planung und Umsetzung erfolgen damit laufend und können sich sogar überlappen. Zentrales Mittel zur Steuerung von Unternehmensarchitekturen ist das Product Backlog, in welchem alle Anforderungen und Aufgaben an die Unternehmensarchitekturen aufgeführt werden. Die Verwaltung des Product Backlogs obliegt dem Architektur-Board. Die Umsetzung der Anforderungen erfolgt im Rahmen von Sprints. Die Aktivitäten eines Sprints werden in einem Sprint Backlog geplant.

Nach Beendigung eines Sprints werden die Ergebnisse vom Architektur-Board geprüft (Sprint Review) und abgenommen. Auf diese Weise können Unternehmensarchitekturen und deren Artefakte schrittweise aufgebaut und erkennbare Ergebnisse erzielt werden. Der pragmatische Ansatz verhindert so lange Umsetzungszeiten und „Big Bang“-Einführungen von Unternehmensarchitekturen.

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Quellen:
Heinl M. (coniatos IT-Management Consulting AG Wiesbaden). Agiles Enterprise Architecture Management – „Mit Weitsicht zur Übersicht“

 

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